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Toskana-Urlaub 1995
Reisebericht eines „fast“ normalen Ehepaares
Reisende - INGE, kleinere Statur, imposante Powerfrau , teilweise,
Ex-Hundezüchterin ( Dobermann )
aufstrebendes Parteiorgan der IG-Metall, Versicherungsfachwirtin,
zweiter Einstieg in Ehe September 1994 mit Klaus,
größter Wunsch: ein VW- Campingbus
Reisender - KLAUS, größere Statur, Metallfacharbeiter, Schreiner, ehemaliger Gastwirt, Verkäufer, durch anhaltende Krankheit erschwerter Wiedereinstieg in Arbeitswelt ,Rührwerk der beteiligten Behörden läuft sehr langsam. 17 Jahre eheähnliches Verhältnis, Neueinstieg in Ehe mit Inge ,ebenfalls September 1994.
Also ganz normal.........oder fast !!
CHRONIK:
gesamt 3680 km
Die Reisevorbereitungen waren getroffen und es könnte eigentlich losgehen.
Glücklicherweise - wie im wirklichen Leben - bekam unser Urlaub noch den richtigen Pfiff. Ermöglicht dadurch, daß ich meinen Audi verkaufen konnte. Das Geld trug zum Erwerb eines schönen VW-Campingbusses bei. Nach etlichen kleinen Verbesserungen am Bus, die unser zivilisationsgeschädigtes Leben förmlich verlangten, gings los..........
Sonntag, den 09. Juli 1995, ca.11.30 Uhr - es war soweit! Frohen Mutes, lustig gelaunt, der Bus in Topform, genau wie wir, machten wir uns auf, zuerst einmal den Steigerwald zu bezwingen.
Die Maintalebene, die teils mit Sandgruben oder Gipswerken durchzogen ist, trotzdem landschaftlich sehr reizvoll . bezwangen wir problemlos. Da im Steigerwald die Bergeshöhen teil bis 500 m über den Meeresspiegel ragen, schaltete ich ein bis zwei Gänge im Getriebe zurück. Unser Bus hat nämlich nur 50 Pferdestärken, was uns natürlich dazu beflügelte, die Schönheit des Steigerwaldes zu genießen.
Um gen Süden zu gelangen war geplant, keine Autobahnen zu benutzen, also gings auf der B 13 in Richtung München. Ein Zwischenstop bei Gunzenhausen am Brombach-Speicher ermöglichte uns, Einblick in den Ausblick zu nehmen, wie der Mensch die Natur ausbeutet und verschandelt. Da dieses Touristenziel auf uns abstoßend wirkt, setzen wir unsere Fahrt gleich weiter fort über Weißenburg, Richtung Eichstätt.. Für Sekunden kommt der letzte Kurzurlaub hier im Altmühltal durch meinen Kopf. Christi Himmelfahrt, Vatertag, 4 Tage Urlaub, hunderte, tausende Radfahrer, Museen Sollnhofen und Eichstätt, Urvogel „Archäopteryx“ u.s.w.
Wir lassen die Frankenalb hinter uns, weiter Richtung München über Ingolstadt. Wir bewundern in der Holledau die vielen Hopfenfelder und ich denke an ein kühles Bier. Es ist höllisch warm, Dann ein Hinweisschild - Dachau. Da fällt mir auch was ein, ach nein, lassen wir`s. Endlich - München, die Hauptstadt unseres Königreichs, quatsch, Freistaates! Unserem Bus und uns gefällt es am Maximilians-Platz. Wir fahren durch Schwabing, nichts besonderes. Bei der Größe der Stadt ist es unmöglich, irgendeinen König oder Politiker auszumachen und zu begaffen. Frustriert fahren wir die B13 weiter nach Holzkirchen. Meine Frau sagt: “Da wohnt eine Bekannte von...“. Ich hör nicht richtig hin, da sie mir das schon ein paarmal erzählt hat, aber ich kenne die Frau ja nicht. Sie hört mitten im Satz auf und lacht, ist nicht böse deswegen.
Wir beschließen, am
Ahornboden das erste Mal zu campieren. Also weiter die B 13 in Richtung Bad
Tölz. Nach diesem schönen Ort fahren wir im Isartal an Lengries
vorbei bis zum Sylvensteinspeicher. Auf dem Grund dieses Speichers
befindet sich ein komplettes Dorf. Wenn total Niedrigwasser ist, kann man die
Kirchturmspitze aus dem Wasser ragen sehen. Wir überqueren die Brücke des
Stausees. Uns stockt fast der Atem, was für ein herrliches Panorama! Klare
Sicht, viele Autos, noch mehr Farben. Ihr wißt schon, was ich sagen will, alles
schön - aber heiß, Wochenende, Badezeit! Von der Schönheit des
Karwendelgebirge getrieben drängt es uns weiter nach Vorderriß.
Direkt an der Isar gelegen eine Gastwirtschaft und Pension mit Biergarten,
hochfrequentiert. Diese Lokalität gelangte schon zu Ludwig Thomas Zeiten
zum Ruhm. Er schrieb hier in der - damaligen - Idylle - Geschichten, die heute
weltberühmt sind.

Nach einer sogenannten
Kaffeepause bei einer Radlermaß starten wir zu unserem ersten
Übernachtungsziel, der Eng-Alpe. Wir fahren schön gemütlich den Rißbach
entlang und lassen unseren Gedanken freien lauf. Da fällt mir ein: “Inge, Du
hast auf der Fahrt bis hierher gar nicht so viel gesprochen.“ Sie sagt: “Ach,
ich bin glücklich, mein größter Wunsch, der Bus und all die schönen Eindrücke,
einfach toll!“ Ich gebe mich zufrieden und bewundere wieder alles. Inge,
Berge, Bach, Wiesen etc. ,alles klar?
Wir passieren die deutsche und die österreichische Zollstation, sehen aber niemanden, die Häuser stehen leer. Na ja, wir haben ja jetzt offene Grenzen , oder?! Die Schönheit des Tales läßt uns fast vergessen, daß wir uns ja einen Platz zum Übernachten suchen müssen. Dieser Gedankengang beflügelte mich auch, den letzten und größten Parkplatz ganz hinten in der Eng anzusteuern. Wir durchfahren den Großen Ahornboden, benannt nach den vielen hunderten Ahornbäumen, die ein gewisser König Ludwig vor ca. . 500 Jahren gepflanzt hat. Wir genießen die Berge und Schneefelder - die teilweise abgetaut sind, es ist ja Hochsommer - die ganze Klarheit und die Zufriedenheit des ganzen Tales. Bei der Rückfahrt Richtung Anfang des Tales machten wir in der Mitte desselben einen schönen Parkplatz aus, den mit der Nummer 3. Er ist etwas abgelegen, was man wiederum auch nicht ganz sagen kann, da er nur ca., 10m unterhalb der normalen Straße, aber direkt am kristallklaren Rißbach liegt. Was ich damit sagen wollte ist, daß wir ein sehr idyllisches Plätzchen zum Übernachten und Campen gefunden haben.
Hubdach hoch, Wein in den Bach, Grill raus und aufgebaut, Sekundensache. Nachdem die Temperatur auf dem Grill paßt werden die aus dem Werntal stammenden Knoblauchbratwürste draufgelegt. Zwischenzeitlich überlege ich, wie wir im Bus schlafen. Ich bereite die Schlafstätte vor. Ich entschließe mich, daß Inge oben schläft. Meine Wenigkeit unten, räume Schachteln und Taschen auf die Seite, für eine Nacht wird es schon mal gehen. Zwischen einfachen und belanglosem Geplauder schneidet Inge Tomaten, Morzarella und Basilikum für eine kleine italienische Vorspeise, Essig, Öl drüber. Bratwürste, Weißbrot, die Vorspeise und ein Rotwein. Man kann sagen, die Natur gibt viel, der Mensch ißt gut. Wir genießen einfach!
Motorengeräusche, es fahren 3 Pkws mit deutschen Nummernschildern auf den Parkplatz. Etwas verwirrt schauen Autos und Insassen, denk ich mir. Nach anfänglich etwas schlechter Verständigung der Homo Sapiens stellte sich heraus, daß diese Menschen aus den „neuen Neufünfländern“, eines davon ist Sachsen, ei verbibsch, was unschwer dem netten Dialekt zu entnehmen ist, stammen. Schon 6 Jahre ist es her und „Gorbi“ bescherte uns den 03.Oktober als neuen Feiertag (dafür fällt natürlich der 17.Juni weg). Weitere Erklärungen bedarf mehr Papier und ich bin jetzt schon in Verzug, gesehen auf den ganzen Urlaubsbericht.
Es war ein schöner Abend, gell!? - Und gute Nacht!
Am Morgen des nächsten Tages, es war Montag, die Stimmung gut, das Wetter herrlich, beschlossen wir, zurück zum Sylvensteinspeicher, über den Achenpaß nach Innsbruck zu steuern. Aber zunächst war Waschen angesagt. Das durch die Photosynthese scheinbar türkisgrüne, eiskalte, kristallklare Wasser springt vergnügt und mir scheint lebensfroh die großen und kleinen Kieselsteine im Bachbett. .Als ich mich aus der Tiefe der Faszination herrausreißen kann, merke ich, daß sie mich eingenommen hat. Ich stehe zwischen den Kieseln und genieße das kalte Wasser. Erst ein paar Spritzer, dann im Sitzen und nun die Ekstase. Der ganze Körper liegt im schäumenden und quirligen Wasser, läßt alles über sich ergehen , das Tal saugt mich fest, Wahnsinn ! Unbeschreiblich diese Schönheit. Es nützt nichts, rausreißen, wieder normal! Ich denke ich mach mal den Kaffee. Bus umräumen, einpacken und los geht’s. Fast weinen wir, aber wir haben uns in den Kopf gesetzt, näher an den Äquator zu fahren, komme was wolle. Wir lassen das Rofau-Gebirge links liegen und fahren ab Straß manchmal auf Spuckweite neben der Autobahn entlang durch etliche Dörfer nach Insbruck. So, Jetzt geht’s den Brenner rauf. Oben angekommen, Rückblick, adieu Deutschland. Das Wetter ist grandios, grenzenlose Optik, Brixen links, dem Eisack entlang.
Mittlerweile ist es
beschlossene Sache , durch das Grödner-Joch die Dolomiten in
Angriff zu nehmen. Unser Bus genießt wie wir alles, was zu sehen ist. Von
weitem grüßt die Geisterspitze. An Kastelruth vorbei zieht der „
Rote“ uns bis hinauf aufs 2112 m Grödner-Joch ohne zu mucken.
Belobigung: Fotografiere ihn mit Frau Inge und Grödnerspitze. Ein phantastischer
Ausblick auf das Panorama der Berge. Man sieht den Langkofel, die Sella-Gruppe.
Weiter geht es über Campolongo nach Arabba. Unglaublich schön und
gewaltig tut sich die Gebirgsgruppe der Marmolada vor uns auf. Wenn ich
die Straßen beschreiben soll, Belag gut, aber Kurven links, Kurven rechts,
Kurven, Kurven, Kurven. Also kurvig auch durch Cortina d`Ampezzo, nach Calazzo,
was bekannte Wintersportgebiete für überbeanspruchte Zivilisationsgeschädigte
und so in dieser Richtung sind. Durch Chimabauche, links die „Hohe Geis“
,rechts die „Drei-Zinnen“, versuchen wir, den Dolomiten zu
entkommen.

Soweit wollte ich eigentlich erst auf der Heimfahrt in die Dolomiten vordringen. Wenn ich meinem Inneren im Kopf glaube, bestätigt sich die Vermutung, daß wir falsch gefahren sind, was sich schnell aufklärt. Nach Durchsprechen der Lage mit meiner Frau stellte ich fest, daß sie die Karte verkehrt in den Händen hält, da wir ja gen Süden fahren. Aufgrund der jetzt nicht mehr lesbaren Ortsnamen drehte sie die Karte wieder herum und dachte, sie muß mir jetzt die andere Seite anzeigen oder so. Wer blickt bei den Frauen schon durch, oder ?
Also gut, haben wir halt
anfangs die Dolomitenrundfahrt gemacht, die eigentlich am Urlaubsende geplant
war. Basta! O.k. nicht ärgern, die Fahrt geht weiter über Toblach bis Bruneck
im Pustertal und Kurven, Kurven, Kurven. Ich frag mich, wann die
aufhören.
Es ist so gegen 18.00 Uhr, schwül, richtig unerträglich und wir steuern einen Campingplatz bei Kiens an. Der Platz unter hohen Tannen schaut recht gemütlich aus.
Inzwischen schon eingespielte Sache: Hubdach hoch usw. Nach lang ersehntem, ausgiebigem Gedusche, einem schönen Abendessen, das wir diesmal auf dem Gasherd im Bus zubereiteten, ganz einfach, Spaghetti und Tomatensoße, drehten wir noch eine Runde für die Verdauung. Zu Fuß durch die nahegelegene Aue.
Plötzlich tiefes Grollen, Wetterleuchten und schwarze Wolken. Es schien, als braue sich ein schweres Gewitter zusammen, aber warum? Ich frage mich, haben wir vielleicht hier irgendwo unabsichtlich so einen Berggnom oder -geist verärgert, vielleicht sogar überfahren? Ach Schmarrn, es ist ein ganz normales Gewitter wie im richtigen Leben. Oder?
Horizonterhellende Wetterleuchten kamen immer näher und arteten in einem Inferno von grellen Blitzen aus, die uns nach längerer Denkpause ( vielleicht eine Sekunde oder kürzer ) auf dem Absatz kehrt machen ließen, damit wir nicht auch noch naß würden. Am Bus angekommen zucken immer noch die Blitze und erhellen geisterförmig den Tannenwald um uns herum. Ein paar Tropfen fallen auch, die aber noch nicht einmal die Luft abkühlen. Verrückt, die ganze Nacht ein Blitzen und Grollen. Wir legen uns in den Bus und genießen das alles, verlaubt: etwas beängstigend. Inge schaut mich an, ich zurück. Kein Gedanke an Daheim: Spricht unsere Nachbarin mit den Pflanzen, die sie gießt; ist der Arbeitsstuhl (-platz ) noch da nach dem Urlaub, haben die daheim schönes oder schlechtes Wetter?
Nein, gar nichts, ja nichts dergleichen durchströmt und quält unsere Köpfe.
Dienstag, 3. Tag:
Aufstehen usw. wie schon beschrieben. Wir wollen ja in die Toskana. Also auf geht’s ! Raus aus dem Pustertal Richtung Brixen . Jetzt fahren wir wieder die Brennerstraße 12, die kurz vor Pisa in Lucca endet, aber das ist noch weit. Die Straße selbst ist gut ausgebaut. Wir fahren mit ca. 80 bis 90 km/h durch die schöne Gegend. Das kommt gut rüber, denn wir haben viel zu bestaunen. Autobahn, Berge, Hänge, Felsen, Dörfer usw. Die Brennerstraße ist viel befahren trotz der Autobahn nebenan oder manchmal obenhalb. Beide ziehen sich im Tal gen Süden, was auch die Etsch nebenan tut. Nach meinen Angaben entspringt sie in einem Tal zwischen Meran und Bozen, irgendwo in St.Getraut in der Ortter-Gruppe, nur ganz nebenbei bemerkt. Wir lassen Bozen hinter uns und fahren nach Trient. Hier verfahren wir uns in dem ungewohnt oft vorkommenden Kreisverkehr, schaffen es aber doch.
Ein Schild Riva del Garda 45 ! Nach vielen Obstplantagen ein Hinweis, das hier auch der berühmte Lambrusco angebaut wird. Gedanken an die Nach-68er Jahre, so um die 1971-75 Jahre tauchen auf. Damals flippten wir oft auf Konzerten umher und tranken diesen Kultwein. In den Flaschen war viel drin und er war billig!
„ Schluß jetzt mit der Vergangenheitsbewältigung“ meint Inge.
Nicht, das Ihr das falsch versteht!
Wir sprechen und reden schon viel miteinander, was ich halt nicht unbedingt schreiben brauch, da jeder so oder ähnlich redet oder spricht. Die fast unerträgliche Hitze läßt außerdem nur an das Eine denken: Wasser, Baden, Gardasee. Da ca. 30 bis 35 km lange Tal zieht sich ewig hin, aber dann!!!
Riva. Eine schöne Stadt, auch die Berge außen herum. Man kann sich gar nicht satt sehen an der lieblichen und doch gestümen Wildheit, die teils schon vor Jahrmillionen geschaffen wurden. Wir beschließen, die Ostseite des Lago di Garda, da sind die Berge nicht so steil, entlang zu fahren. Was zu erwarten war, traf prompt ein. Touristen, Urlauber und nochmals Touristen und Urlauber. Wir lassen uns nicht so sehr davon beeindrucken, doch ein wenig beeinträchtigt dieser Umstand die zuerst wahrgenommene Euphorie. Manchmal glaube ich, ich habe Claustrophobie, doch es stimmt nicht, da ich dieses Gerangel und Gedrängel der Menschen doch zeitweise akzeptiere.
Der Mensch ist anpassungsfähig, also bin ich doch normal. Wer hat eigentlich diese Krankheit dann erfunden? „Alles Quatsch, spiel jetzt keinen Psychiater, sondern konzentriere Dich bitte auf den Verkehr ’’. meint Jnge. Es sind auch so viele Radfahrer unterwegs und die vielen Tunnels sind teils schlecht oder gar nicht beleuchtet.
Also gut, wir haben Urlaub.
Aber geht es nicht jedem so, ich meine jedenfalls uns Menschen, das man
tausende und abertausende Gedanken tagtäglich hat? Ich erzähl meiner Frau halt
manchmal hunderte, mehr oder weniger. 5 km vor Malcesine, am Ende der
Ortschaft Navenne sticht uns trotz gleißender Sonnenstrahlen ein noch
wenig frequentierter Campingplatz mit vielen Olivenbäumen direkt am See in die
Augen.

Fast nach unserem Geschmack Wir nehmen uns vor, 3 Tage, was 2 Übernachtungen beinhaltet, zu bleiben. Es ist ca. 16.30 Uhr. Nach fünfstündiger Fahrt beschließen unsere Body’s, erst einmal zu baden. Um zum Wasser zu gelangen, müssen wir nur über die Straße, eine kleine Treppe an der befestigten Seemauer hinunter und schon stehen wir im Wasser. Einfach herrlich ! Ungefähr stündlich später meldet sich der Kohldampf, was überhaupt nichts mit dem deutschen Bundeskanzler zu tun hat. Wir entschließen uns dem Drängen unserer Mägen (sind fürs Essen zuständig) nachzugeben und gehen zurück zu unserm Bus. Wie anfangs beschrieben - Hubdach u.a. - außer Grillaufbau, heute gibt’s Spaghetti! Inge geht Duschen und ich mache mich über das Salatputzen. Erwähnenswert ist die mittlerweile Eingespieltheit: Inge duscht - ich mache Essen! Der geneigte Leser möge darüber denken was er wolle! Weiter: Die Tomatensoße wird mit Schinkenwürfel, Knoblauch, Zwiebeln und vielen anderen Gewürzen sehr lecker von mir zubereitet. Ich will mich diesbezüglich nicht loben, aber meine Frau tut´s immer. Ein Schluck Wein dazu.....fast sprachlos dinieren und genießen wir. Abwaschen gehört auch dazu. Ich versuch`s bei der weiteren Reisebeschreibung auszulassen. Wie Ihr wißt, es ist alltäglich und es gibt bei dem Vorgang auch keine irgendwelchen bedeutenden Diskussionen, nur allgemeines blah, blah. Also, denkt daran!
Wir laufen noch ungefähr 1/1/2 Stunden am See entlang, bis die Nacht hereinbricht. Der Gedanke beflügelt mich, eine Flasche Rotwein zu holen und mich mit ihr und Inge an den See zu setzen , was auch letztere gut findet. Es ist 23.00 Uhr. Der Strand, wie ich jetzt halt mal sage, ist leer. Vereinzelt läuft ab und an ein Pärchen oder ein oder zwei Touristen, das eine schließt ja automatisch das andere nicht aus aber ich mache mir darüber keine großen Gedanken, der Seemauer entlang. Wir legen uns auf die noch warmen Kieselsteine am Strand direkt ans Wasser und träumen. Das Rauschen der Wellen (vielleicht aber auch der Wein) steigt in unsere Köpfe. Unsere Sinne nehmen die Klarheit des Sees, den wolkenlosen, nur mit Sternen übersäten Himmel, die vom Westufer über den See blinkenden vielen Lichter auf. Vielleicht ist das alles zu viel auf einmal,, denn wir konzentrieren uns nur noch auf das, was zwei Liebende tun. Gute Nacht!
Beim Frühstück am 2. Tag beschließen wir, auf den Monte Baldo zu fahren. Aber wie?: Mit dem Fahrrad oder der Seilbahn? Inge: „Seilbahn“. Wir fahren mit dem Fahrrad nach Malcesine, hier ist die Seilbahnstation. Bewußt fahren wir nicht die Küstenstraße, sondern nehmen die teils schweißtreibende, teil gemütliche, links an der Ortschaft vorbeiführende Landstraße. Herrje, wenigstens an die 150 Leute an der Station warten, die wie wir hoch hinaus wollen. Was soll’s,
anstehen ist angesagt! Nach ca. 1 ½ Stunden Wartezeit, zweimal eine ca. 15- minütige Seilbahnfahrt inbegriffen, stehen wir dann oben, 2200 m u.d.M.. Mist, wieder den Fotoapparat vergessen, der ist im Auto. Ich frage mich im Stillen, weshalb wir ihn überhaupt sowie 3 Filme mitgenommen haben, wenn wir ihn jedesmal vergessen, wenn es was zu fotografieren gibt! Na ja, was soll’s , wir kommen trotzdem auf unsere Kosten, klare Sicht, super Panorama und alles, „Aber Hallo“, um mit Inge zu sprechen. Nachmittags auf der Heimfahrt entdecken wir einen noch schöneren, mit uralten Olivenbäumen bepflanzten Campingplatz. Er liegt halt nicht am Wasser, aber die Optik strahlt eine solche Ruhe aus, die nur durch das tägliche bis zum Nachmittag anhaltende, ohrenbetäubende Zirren der Zikaden gestört wird. Das muß man erlebt haben! Unglaublich! Fast vergessen: Wir machten noch einen Stadtbummel zwischen Touristen und Malcesine zum Hafen, auch schön! Den Abend genießen wir wie tags zuvor. Der Donnerstag ist auch nicht langweilig, wir machen eine Fahrradtour nach Riva, ca. 12 km einfach, immer der Küstenstraße entlang. Die Aussicht auf den See ist proper! Hier gibt es keine Radwege, da hat man die ganze Straße für sich alleine - wenn keine Autos fahren - und es fahren immer Autos, kleine Autos, große Autos, dicke Autos, dünne Autos, ziemlich schweißtreibend das Ganze, so daß uns ein erfrischendes Bad im Strandbad in Riva gut tut. Den Tag beschließen wir, schon ganz relaxed, wie die beiden vorhergegangenen.
Freitag, 14. Juli : Um unser Vorhaben wahr zu machen, fahren wir weiter, wie besprochen die Brennero Nr. 12 nach Verona. Ab hier ist das Land flach. Unser roter Bus mit dem weißen Hubdach fällt zwischen den riesigen Obstplantagen und Pflanzungen schon auf, aber auf der Straße die wir fahren geht er fast unter. Es ist nicht erwähnenswert, aber ich tue es. Nur Autos, Autos, Lkw`s, Lkw`s und Autos in allen Farben und Formen. Also denkt Euch es selbst, ich kann nicht alles ausführlich beschreiben, das würde zu weit führen. Danke! Inge ist auch erstaunt und verblüfft bei diesen ganzen Eindrücken, weitgehend stumm sitzt sie leicht transpirierend neben mir. Die ganze Gegend hier nennt man „Po-Ebene“ . Diesen Fluß überqueren wir bei Ostilia , natürlich über eine Brücke! Die ganze Gegend inspiriert mich persönlich nicht besonders, da entfleucht mir just der Gedanke: „Wir haben ja ein Radio in unserem Auto!“. Seit Beginn unserer Reise ist er voll in den Hintergrund gestellt worden, obwohl er sich ja vorne, schon sichtbar im Armaturenbrett befindet. Kann es sein, weil Urlaub ist? Komische oder normale Gedanken?! Manchmal denke ich mir, ich sollte zum Psychiater! Aber dann denke ich mir:“ Eigentlich bin ich doch ganz normal“ oder? Egal, wir haben Urlaub!!!!
Klaus, Achtung! Eine Biene an der vorderen Innenscheibe! Ich versuch sie zu verjagen und denke, sie ist wieder hinaus geflogen. Doch dann, ein Krabbeln, ein Stich! Genau an die höchste Innenseite meines rechten Oberschenkels, von vorne gesehen, wäre es hinten am Po, aber 90 Grad nach links versetzt. Schmerzen!!! Zum Glück in naher Entfernung eine Tankstelle. Ich mit dem Bus rechts rann, Kühlschrank auf, Marmeladenglas raus und draufgedrückt. Nach 10 Minuten lassen die Schmerzen so ziemlich nach, zum Glück blieb nur eine kleine Schwellung zurück. Man weiß ja nie, wo diese Viecher überall rumkrabbeln und fliegen, auf gespritzten Feldern usw. Meine Schwägerin wurde vor ein paar Wochen von einem Biest in die linke Kniekehle gestochen , sie hatte wahnsinnige Schmerzen und lange Zeit ein dickes Knie. Sie konnte fast nicht laufen. Sorry, ich wollte ja von unserer Reise erzählen!

Mirandola, Modena, jetzt haben wir es geschafft! Die Berge fangen wieder an. Es sind die Appeninnen, die wir überqueren müssen, um an das Meer zu kommen. Inge freut sich. Das ist ihr Refugium, in dem sie ihren Kopf ausleben kann. Jetzt geht Berg auf, Berg ab, Kurve links, Kurve rechts usw. zwischendurch Blicke in Täler oder Berge gegenüber, einfach herrlich. Trotz diesem Gekurve, Faszination, es wird immer schöner! Bei Pavullo auf einem Parkplatz machen wir Rast, bereiten uns einen Kaffee zu und genießen, nicht nur das Aroma, sondern auch das Panorama. Auf einmal, tatü-tata, irgendwie anders als bei uns, aber man weiß, was gemeint ist. Wir halten an, uns überholt die Feuerwehr. Ich gleich: “Waldbrand, vielleicht. Bis die am Brandherd ankommen ist doch alles abgebrannt“. Tatsächlich, nach halbstündiger Fahrt hören wir sie immer noch! Weiß der Kuckuck, wo die hinfahren! Plötzlich, im Tal links unten riesige schwarze Rauchwolken. Man kann nicht sehen, was da jetzt genau brennt, aber es ist in einem Dorf. Als wir an den Ortsrand kommen, werden wir von den Carabinieri umgeleitet. Na denn Prost. Jetzt ging es erst richtig aufwärts, steiler als am Grödner Joch. 1. Gang, schleich schleich, wir hätten locker daneben herlaufen können! Der Karte nach ginge es über den Paß des Force el Ricci, nur 1528 m ü.d.M. Ich schaue ab und zu mal aufs Thermometer der Lüftung. Nicht, daß ich ihm nicht traue , aber es ja unsere erste große Tour mit dem „Roten“ . Aber alles klar! Hier oben am Paß das Schild „Toskana“. Inge lacht. Wir kurven auf der anderen Seite des Passes wieder hinunter, andere Berge wieder herauf und wieder hinunter. Durch Castelnuova weiter nach Gallicano, immer dem Flüßchen „Serchio“ entlang, gelangen wir wieder bei Borgo a Mozzana auf die Brennerstr. Nr. 12. Jetzt aber Gas, denn wir sind kurz vor Lucca. Was mich fast zum Anhalten zwang in Lucca, außer der Ampel bei Rot, war die sehenswerte ca. 4200 m lange, teils gewaltige Stadtbefestigung, die 1504 bis 1645 errichtet wurde. Nebenbei bemerkt, es war die dritte in der Geschichte Lucca`s. 1830 wurde sie von Marie-Loise von Bourbon in eine Parkanlage umgewandelt und mit vielen Bäumen bepflanzt. Bitte keine Hektik, Pisa ist nicht mehr weit. Also los, die 20 bis 25 Kilometer gehen noch! Nach 7stündiger Fahrt erreichen wir endlich Pisa, Na, was ist denn jetzt kaputt? Unmengen von Fahrzeugen und Leuten. Ist jetzt Feierabendverkehr, oder was? Touristen vielleicht? Egal, ich konzentriere mich nur noch auf die Hinweisschilder „Campingplatz“ und quäle mich mit Inge und dem Roten durch die Außenbezirke der Stadt. Der Platz ist ziemlich voll, wir finden aber noch ein schattiges Plätzchen in der Nähe der Duschen, WC und Spülbecken. Dieser Tag hat mich etwas geschlaucht und ich schicke Inge zum Duschen. Ich krame in unseren Vorräten nach etwas Eßbarem. Der Gedanke, daß wir am Meer sind, erleichtert die Wahl. Gemundet haben die Spaghetti mit den mit Knoblauch und Olivenöl scharf angebratenen Sardellen (die allerdings im Hamburg eingedost wurden). Nachdem auch ich noch geduscht hatte beschlossen wir, uns doch noch am gleichen Tag den „schiefen Turm“ anzuschauen, der an der Piazza die Miracoli steht. Ca 10 Gehminuten vom Campingplatz entfernt, Durch einen Tunnel, und schon waren wir mitten in der historischen Altstadt von Pisa. Angekommen bestaunten wir die weiträumig abgesperrten Bauwerke, den Dom, das Baptistum und den Turm. Der ist wirklich ziemlich schief, die Italiener sind gerade dabei, dieses Kuriosum der Nachwelt zu erhalten und restaurieren auch die umliegenden Gebäude.
Jetzt, in der noch goldgelben bis hellroten Sonne kommt die Großartigkeit der Bauwerke, die fast wie eine Schöpfung der Natur erscheinen, in imposanter Weise voll zur Geltung und löst auch bei den eiligen Touristen große Bewunderung aus. Uns zieht es auch noch in die altertümliche Innenstadt. Wir durchqueren ein Viertel, das zur Universität gehört, die schon seit dem 12. Jahrhundert etabliert war und somit eine der ältesten in ganz Italien ist. Beim Betrachten der teils engen Gassen mit dem herrlichen Schattenspiel, den erhabenen Palazzos, diesem ungewöhnlichen südländischem Flair breitet sich in uns Ruhe und Zufriedenheit und alles aus. Über den Arno blickend, der Pisa in zwei Hälften teilt, sehen wir ein Juwel gotischer Baukunst, da um 1300 als Oratorium gebaut wurde, die Kirche „Santa Maria della Spinna“ . Hier wird angeblich ein Dorn aus der Krone Christus aufbewahrt! Die Stadt hat noch so viele Sehenswürdigkeiten, daß ein Tag oder eine Nacht nicht ausreichen, darum beschließen wir, den warmen Sommerabend mit einem Glas Rotwein vor unserem Bus zu verbringen und machen uns auf den Heimweg. Am nächsten Tag Pisa „Buona notte“.
Da meine Frau schon vor
Reiseantritt von den Etruskern erzählte, machen wir uns am Samstag, den 15.
Juli nach dem Frühstück auf über Livorno die Küstenstraße entlang
Richtung Elba und Piombino. Der ganzen Küstenstraße entlang
genießen wir den Anblick der ehemaligen Fischerdörfer, jetzt Touristen- und
Badeorte, die sehr schöne Altstadtkerne und unzählige Castellos
besitzen. Wenn nicht gerade ein Dorf oder Städtchen am Meer liegt, säumen
Sandstrand und Klippen landeinwärts wachsende Pinienbäume kilometerweit die ligurische
Küste.

Herrlich, aber ganz schön
heiß! „Hier gibt es nicht viele deutsche Autonummern“., meine ich zu Inge, die
spontan antwortet :“Gott sei Dank, wenn Dir diese fehlen, hättest du daheim
bleiben müssen.“ Also weiter in Italien, dem Land wo die Zitronen blühen! “
Trotz der schönen Sicht und der Brise vom Meer macht uns die Hitze ganz schön
zu schaffen. Wir erreichen den Hafen von Populonia gegen 14.00 Uhr. Hier
in der Nähe haben Forscher archäologische Schätze ausgegraben, die aus der Zeit
der sagenhaften Etrusker stammen. In der gesamten Anlage, die man Nekropolis
nennt, kann man viele Gräber und Todenstätten besichtigen. Die berühmtesten
sind das „ Grab der Flabelli“ und das „Wagenrad“, die wir auch
besichtigen. Leider war die Führung nur in italienisch und wir bedauerten nicht
zum ersten Mal, nicht des Italienischen mächtig zu sein. Das etwa
tausendjährige Reich der Etrusker, das vor Christi Geburt existierte,
hinterließ in der Toskana viele Spuren. Auf der Anhöhe über dem Hafen
liegt das von Stadtmauern umgebende ehemalige Etruskerstädtchen Populonia.
Aus der Etruskerzeit sind der große „Kathrinenbrunnen“ und einige Reste
von Mauern und die sogenannte „Akropolis“ erhalten geblieben.
Nachweislich schifften die Etrusker damals schon Eisenerz von Elba
herüber ins nahegelegene Piompino, wo heute noch, natürlich jetzt
hochmodern, die Schmelztiegel brodeln, und die Luft mit riesigen, grauen und
stinkigen Rauchschwaden verpesten. An der Hausnummer 21 der Hauptstraße (das
kleine Städtchen ist für Autos gesperrt und hat nur 8 Straßen) liegt die
„Villa“ mit dem etruskischen Museum. Was kostet heutzutage keinen
Eintritt? Mit 2500 Lire pro Person tauchen wir ein in die längst
vergangene Welt der geheimnisvollen Etrusker. Vor uns tut sich eine Fülle von
Altertumsschätzen auf und wir fallen gedanklich in eine längst vergangene Zeit.
Seht es Euch selbst an! Wenn ich meine Gedanken alleine hierzu alle
aufschreiben würde, säße ich in 100 Jahren noch am PC! Mit knurrendem
Magen machen wir uns auf zum Bus. Unter einigen Pinien, die etwas Schatten spendeten,
machen wir ein „Picknick“. Italienische Brötchen, geschmacklich werden sie nur
noch durch ihre Größe übertroffen, belegen wir mit Tomaten, Käse, Schinken vom
Supermarkt und trinken dazu kühlen Eistee, der in Paderborn in Tetra-Pack
Behälter abgefüllt wurde.
Wir überlegen, ob wir einen
Abstecher nach Elba machen sollen. Bei den dreisprachigen Verhandlungen
(deutsch, englisch, italienisch) im Büro der Fährgesellschafft stellte sich
heraus, daß alles ausgebucht ist, wir können höchstens in 2 bis 3 Tagen an
einer Überfahrt denken. Also fahren wir weiter die Küstenstraße Richtung Süden
und suchen uns einen Campingplatz, der uns gefällt. Die Fahrt führt durch Fallonica
nach Punta Ala. Die Straße zieht sich durch endlos scheinende Pinienwälder
entlang des Meeres. Rechts und links säumen parkende Autos den Weg. Jeder läuft
zum Strand. Ich bremse, um zwei leicht bekleidete Frauen über die Straße gehen
zu lassen. Die für mich im ersten Moment unverständliche Reaktion der beiden,
als diese uns den „Effenberg-Finger“ zeigten, klärte sich im Zuge der
Weiterfahrt dann doch auf. Bei uns gibt es ja auch Gewerbetreibende, die ihre
Firmenanschrift nicht groß und breit am Straßenrand aufstellen und nicht
angemeldet sind. Jedenfalls waren die beiden „Damen“ vom horizontalem Gewerbe,
was ja auf Anhieb nicht zu erkennen war. Mir geht nur durch den Kopf,
mein Gott bei dieser Hitze, diesen Menschenmassen, dem Zikadengeschrei, ob die
viele Kunden haben? Na ja, ich denke jetzt liebt an einen Campingplatz. Ungefähr
20 km vor Castiglione de la Pescaia rechts abbiegen, Richtung Meer. Vom
Platz aus ca. 5 Minuten zum Strand. Wir wollen hier 2 bis 3 Tage
verbringen. Ein schöner Platz, auf dem aber hauptsächlich Italiener campieren.
Der Strand ist jetzt nicht mehr so bevölkert, da die 19-uhrige Sonne den nach
Hautkrebs sich sehnenden und brutzelnden Leiber , hervorgerufen durch die
schädlichen UV-Strahlen, nichts mehr anhaben kann. Wir nehmen noch ein
herrliches Bad im Mittelmeer und bestaunen die wirklich wunderschöne Umgebung.
An den nahen Klippen ergänzen bizarre Schattengebilde die hoch hinauf ragende
Ruine eines Castellos. Für uns ein Genuß. Am Campingplatz, einfach
überall blühen riesige Orleanderbüsche in den verschiedensten Farben. Ich muß
mich losreißen von all dem Schönen! Hubdach usw. wie beschrieben, den Pavillon
vor dem Bus auch aufgebaut, damit wir nicht in der prallen Sonne stehen. Was
ißt man nur in Italien? Spaghetti! Richtig! Wir laufen noch ein Stück am
Strand. Jetzt ist die Hitze erträglich, da ein kühlender Wind vom Meer her
weht. Bei einem Glas Rotwein trudeln wir noch unterm Pavillon, als gegen 22.30
Uhr ein schöner, ziemlich neuer Bus mit Wohnwagen im Schlepptau neben uns auf
den Stellplatz fährt. Der gefällt mir und Inge. Ich nenne ausdrücklich nicht
die Herstellerfirma, da ich keine Werbung machen will. Umsonst nicht, versteht
sich, gell! Wir kommen bald mit den neuen Nachbarn ins Gespräch und prosten uns
zu. Wie sich herausstellt kommen sie aus Radeburg bei Dresden , haben
eine Installationsfirma und zwei Kinder, der Junge ist 12, das Mädchen 15 Jahre
alt. Für die Firma brauche ich keine Werbung machen, da der Vater meint, sie
wären ausgebucht. Dann bis morgen, gute Nacht!

Samstag früh, so gegen 8.00 Uhr gehen wir zum Strand und
baden, denn da liegen die Liegestühle noch alleine im Sand und es ist noch
nicht so heiß. Das Rauschen der Wellen und selbst das Baden inspiriert enorm ,
meine ich, und Inge fragt: „Zu was?“ , ich sage: „Für alles und so“, Inge: „Was
heißt und so?“ Ich: „Alles!“, und dann platsch!!! Nach dem Frühstück
befreie ich unsere Fahrräder aus ihren Halterungen des Fahrradträgers am
Heck unseres Busses. Fast betrübt dachte ich darüber nach, daß sie es
seit der Abreise vom Gardasee ohne Unterbrechung dahinten aushalten mußten.
Quatsch, oder !?! Wir wollen nach Castigllione de la Pescaia , das
ungefähr 20 km Richtung Grossetto liegt. In der sommerlichen Hitze
fahren wir den Radweg (endlich ist mal ein Radweg vorhanden, in Italien eine
Seltenheit) der neben der Hauptstraße entlang führt, eingerahmt von unzähligen
blühenden Orleandersträuchern und Pinienbäumen. Pescaia hat eine schöne
Strandpromenade, an der sich tausende Badetouristen tummeln. Nichts für uns.
Wir fahren hoch in die Altstadt, schnauf, schnauf. Das letzte Stück laufen wir,
da es wirklich ziemlich heftig aufwärts geht. Der Schweiß tropft uns aus allen
Poren. Jetzt die Belohnung: Vom Turm der Festung hier haben wir den totalen
Überblick über die ganze Bucht bis runter nach Marina de Grossetto
und Marina die Albarese. Wenn wir landeinwärts schauen, erfaßt unser
Auge die endlosen Pinienwaldstreifen nach dem Strand, die nach 300 bis 400 m
Breite enden und die weite Marsch- und Sumpflandschaft der Ombrone-Ebene,
die sich unendlich vor uns auftut. Wieder den Foto vergessen! Rückwärts
blickend entdecken wir die Bucht mit unserem Campingplatz . Die bereits beim
Baden erwähnte Ruine tanzt in der Mittagshitze auf dem Felsen. Zum ersten Male
sehe ich eine riesige Agave mit Blüte. Die Blätter sind 2.50 m bis 3 m lang.
Der Stamm, der die Blüten trägt, ist ungelogen ca. 6 m hoch. Wundervoll dieser
Anblick! Richtung Strand kaufen wir uns ein paar Pizzaschnitten und
setzen uns zum Essen unter eine Schatten spendende Palme. Auf der Heimfahrt zum
Campingplatz bewundern wir noch die zu Hunderten am Pinienwaldrand geparkten
Autos. Die zu Tausenden zirpenden Zikaden machen eine Konversation mit meiner
Frau unmöglich. Unsere Bekannten vom Vortag, Familie Reinhardt aus den „Neufünfländern“,
ist zwischenzeitlich umgezogen an einen schattigen Platz, kleine Tragödie, der
Sohn ist in einen Seeigel getreten, beim Erkunden des Ruinenfelsens. Wie er
selbst meint: „Sehr schmerzhaft“. Wir machen noch ein Date für abends zum
Plauschen aus. Es war sehr lustig, sie erzählten, wir erzählten, teils diskutierten
wir, teils alberten wir bloß rum, um dann gegen 2.00 Uhr morgens abzubrechen.
Beim Heimgang durch die Stellplätze kommen wir zu dem Resultat, doch die sind
schon in Ordnung.

Am Montagvormittag ist Abreisetag. Wir verstauen alles, bauen den
Pavillon ab und verabschieden von Familie Reinhardt und stürzen uns ein
letztes Mal in die Wellen des Thyrrhenischen Meeres, jedenfalls für
dieses Jahr. Es ist unser 9. Urlaubstag, der uns die Küstenstraße entlang
nach „Marina de Grosseto “ führt. Von hier aus fahren wir durch die
Ombrone-Ebene, die mit vielen Weizenfeldern und kleineren Hügeln mit
Weinanbau durchzogen ist. Es ist unerträglich heiß. Man hört manchmal richtiges
Knistern in den abgemähten Feldern und es riecht richtig nach verbrannter Erde.
Wir fahren durch Grosseto, die große Stadt. Ab hier ist die Bundesstraße
2spurig pro Fahrbahn, wie eine Autobahn halt, imponiert uns aber wenig.
Ungefähr bei Straz di Albina geht’s links die Hauptstraße 74
ins Landesinnere.

Die einzigartige
Landschaft, Hügel, Pinienbäume, Kornfelder, Weinberge lassen unsere Augen nicht
mehr los. Eine typische Landschaft, die man aus den Reiseführern kennt , nur
viel, viel imponierender in Wirklichkeit. Wir durchfahren die kleine Ortschaft Matriciano
und kurven bergauf, bergab immer weiter. Dann ein Wegweiser: „Pitigliano“
. Inge sagt: “Halt, da war doch was!“. Ich fahre rechts rann und Inge kramt den
Toskana-Reiseführer von Hanni heraus um nachzuschauen. Sie blättert ein wenig
und sagt dann :“Fahr los.“ Und dann nach 2 bis 3 km , puh ein gewaltiger
Anblick! Gegenüber auf dem Berg liegt Pitigliano. In einer scharfen
Kurve ist ein Parkplatz, hier halte ich an. Wir bestaunen diese wunderschöne
Bergstadt, die noch Mauern aus der etruskischen Zeit besitzt. Wir entdecken
auch die Reste der Totenstadt „Stanonia“ der Etrusker mit einfachen
Urnengräbern und Grabnischen. Die Weiterfahrt in der Schönheit der Landschaft
endet am „Lago di Bolsena“ , der außerhalb der Toskana liegt. Hier
gönnen wir uns eine kleine Kaffeepause und quatschen einfach ein wenig.
Erwähnenswert ist die Einfachheit unserer Gespräche, hier eine Kostprobe: Inge:
„Ich gleb, des is der beste Schnellkaffee, gell? Is des der vom Aldi?“ Ich
erwidere: „Ja, des isser, gell der is gut!“ Na ja, wir führen auch andere,
hochgeistige Gespräche über Kultur und Menschheit, aber bei der Hitze!! Trotz
der bergigen und schönen, aber teils anstrengenden Fahrt, nehmen wir uns vor
bis Siena zu fahren , was noch eine ganze Ecke zu fahren ist. Dieser
Spruch kommt nicht aus dem „Fränkischen“ , wir aber auch bei uns gebraucht. Der
kommt glaub ich von den Preußen , ich weiß nicht, wie lange die schon durch
Franken ziehen. Jetzt könnte ich immer so weitermachen. „Konzentriere Dich auf
die Straße“ sagt Inge. Wir verlassen etwa 10 km nach Aquapendente die
Bundesstraße 2 und fahren eine Nebenstraße nach Pian Castagnio.
Hier im Altstadtkern steht ein Castellello, das aber
restaurierungsbedingt geschlossen ist. Bei der Weiterfahrt Richtung Abbadia
San Salvatore sehen wir linker Hand den 1740 m hohen Monte Amiata
in einer erstaunlich klaren Optik. Rechter Hand, Luftlinie ca. 12 km, erhebt
sich der Riadicofani bis auf 895 m ü.d.M. mit einer riesigen
Burg. Hier in Abbadia San Salvadore wird heute noch
Quecksilbersulfid, auch als Zinnober bekannt, abgebaut, das schon den Etruskern
als Farbstoff diente. Der Monte Amiata und seine Umgebung bilden einen
natürlichen Mittelpunkt der Toskana und sind von großem kulturellem und
kunstgeschichtlichem Interesse (steht im Reiseführer). Sie gehörte schon immer,
im Sommer wie im Winter, zu den wichtigsten Attraktionen der Toskana für
Touristen. Von der Bergspitze mit dem großen Eisenkreuz hat man eine weite
Aussicht vom Modenser Appenin bis zu den Höhen von Umbrien, den
Marken, den Abruzzen, zu den Cimini-Bergen und zum thyrrhenischen
Meer, aber nur wenn`s schön ist.... und es war schön!!!!

Saturinia
Das nächste Städtchen
namens Castiglione de Orcia fasziniert uns genauso. Die Altstadt auf dem
Berg (hier sind sämtliche Städtchen immer ganz oben auf den Hügeln), die kahlen
Felsen mit den Höhlen, die früher einmal teils Behausungen teils Grabstätten
waren. Einige Kilometer die Bundesstr. 2 und immer wieder bergauf, bergab,
kurven und kurven. Auf ca. 600 m über dem Meeresspiegel sind wir
schließlich in Montalcino angelangt. Ein sehr altes Städtchen, das von
den Römern und Etruskern bewohnt war. Das inmitten von Olivenhainen gelegene
Städtchen war früher immer in Zwistigkeiten zwischen den Welfen und Gibellinen
mit einbezogen worden, was immer Kampf bedeutete. Trotz dieser kämpfe haben
sich viele Traditionen aus vergangener Zeit erhalten. Lauf unserem Führer leben
die Einwohner heute von der Landwirtschaft, Schuh- und Bekleidungsindustrie.
Was nicht im Führer stand, es wimmelt nur so vor Touristen, na ja, wir sind ja
auch welche! Jeder zweite Laden ist ein Andenkenladen. Noch 2 Minuten bis zum
Supermarkt, der in die Stadtmauer integriert ist, sehr originell und
beachtenswert. Ich entschwinde gedanklich in die Vergangenheit. „Brauchen wir
nicht noch Essig und Öl“ fragt Inge. Sie holt mich aus meinen Träumen und ich
steh im Supermarkt. Also gut, ganz normal einkaufen !Mozarella, Tomaten,
Schnitzel, Grünzeug, Kräuter. Die Fahrt weiter gen Siena ist genauso wie
zuvor. So gegen 21.30 Uhr geht die Sonne unter, jetzt ist 16.00 Uhr. Bis Siena
geht’s noch. Meine Frau sagt: „Siena hat den schönsten Platz der Welt“. Lassen
wir uns überraschen, um mit Rudi Carrell zu sprechen.
Nun taucht Siena vor
uns auf. Die Stadt breitet sich auf 3 Hügeln und ebenso vielen Tälern aus. Vom
Stadtkern aus fahren wir Richtung Florenz. Ca. 5 km auf einer Anhöhe,
immer noch in der Stadt, liegt der Campingplatz. Terrassenförmig angeordnet mit
Swimmingpool, sehr gepflegt. Der Platz ist fast völlig ausgebucht, wir finden
aber noch einen einigermaßen guten Platz, neben einem Kölner Wohnmobil, der
größeren Art. Da der ganze Tag ziemlich strapaziös war, beschließen wir, erst
am nächsten Morgen in die Stadt zu gehen. Das tägliche Ritual, so bezeichne ich
es halt einmal, nimmt wieder seinen Lauf. Hubdach usw. Nicht daß Ihr denkt,
Inge geht bloß duschen . Nein, um Gottes Willen, stimmt nicht. Sie späht auch
aus, wo die Waschmaschine oder die Spülbecken sind (und meistens spült sie auch
alleine). Da wir bestes Wetter haben kommen die Schnitzel auf den Grill.
Gedanken um unsere Nachbarn, ach wo, nur ein kleines bißchen! „Irgendwie schon
eigenartig, das alles“ sage ich zu Inge. Sie meint: „Du denkst auch über alles
nach, oder?“ Er, Italiener, spricht mehr schlecht als recht gebrochenes
Deutsch, oder Kölsch, ziemlich undefinierbar, Dann die jüngere der beiden
Frauen, so Anfang 50 schätze ich, spricht totales Kölscher Platt und die ca. 20
Jahre ältere Dame (wahrscheinlich die Mutter der Kölnerin) spricht totales
Hochdeutsch. Ach, irgendwie wird sich das schon aufklären! Wir genießen unser
Essen und laufen noch eine Runde. Unser Bett im Bauch des Busses ist schnell
hergerichtet. Unsere Liebe ist auch noch da, aber jetzt schwelgen wir noch mal
in den vergangenen Urlaubstagen. Gute Nacht!

Die sienischen
Sonnenstrahlen wecken uns. Jetzt geht das Leben auf dem Campingplatz wieder
los. Da läuft einer vorbei und sagt „Guten Morgen“, obwohl ich doch noch gar
nicht ausgeschlafen habe und wir uns doch in „Bella Italia“ befinden.
Weiter vorne kommt schon einer vom Waschen zurück, oder war er nur auf dem
Klo? Wir überlegen unseren Plan für heute und ich setze Kaffeewasser auf,
hole frische Brötchen, die hatte ich ja schonmal beschrieben. Beschlossene
Sache war, mit dem Fahrrad zu fahren. Also, los geht’s! Die ersten 3 bis 4 km
sind ganz normale Stadtstraßen, so wie Würzburg oder Kassel, aber doch schon
etwas anders. Doch dann kommt die Altstadt. Wir laufen durch die steilen und
engen Gassen, die mit Steinen kunstvoll gepflastert sind. Wir können uns gar
nicht satt sehen an der Architektur, der Malerei und dem künstlerischen
Bestand. Unser antikes Gefühl wird nur jäh unterbrochen durch die ganz normalen
Banalitäten der Gegenwart wie Benetton - Reklame, Chiemsee - Pullover, Rolex,
Filmkameras, Kodak-Film und jede Menge Menschen unterschiedlichster
Nationalität. Und fast jeder hat ein Handy, jeder Italiener jedenfalls.
Ich ignoriere diesen Teil der Gegenwart und vertiefe mich wieder in die Antike.
Die höchste Blütezeit erlebte Siena (italienisch geschrieben) im 12. Und 13.
Jahrhundert. Wir drängeln uns durch die Touristikmassen Richtung Marktplatz. Da
ist er endlich, der Piazza del Campo. Ich muß erst einmal herumschauen
und versuchen, diesen in der ganzen Welt bekannten Platz - dank seines
angeblich bühnenbildnerischen Effektes - zu mir rüber zu bekommen. Da
meint Inge: “Den habe ich mir aber anders vorgestellt, irgendwie anders, so wie
den Hanni beschrieben hat“. „Das ist halt Dein Fehler“

erwidere ich und fahre fort: „Genau wie die meisten Menschen läßt Du Dir etwas erzählen und versuchst das gedanklich zu sehen. In Wirklichkeit ist es dann meistens anders. Also merke: Lasse Dir alles erzählen, aber glaube es erst, wenn Du es siehst. Das ist nicht negativ gedacht, denn jeder Mensch denkt anders über die gleichen Dinge wie Du.“
Zurück, raus aus der Psyche:
Der ganze Platz ist angelegt wie eine Koncha, quasi muschelförmig und hebt sich nach außen in alle Richtungen an. Der äußere Rand ist gepflastert, der innere Fächer ist seit 1347 von Backsteinen in neun sich farblich abhebende Läufe aus Stein unterteilt. Diese neun Sektoren wurden zur Erinnerung an die Regierung der Neun errichtet, denn in dieser Periode entstand der Platz und der Palast Pubblico (sozusagen das Rathaus). Angebaut an den Palazzo ist der Torre del Mangia. Ein 88m hoher Turm mit Uhrwerk und auf dem Turm eine 7to schwere Glocke. Wir beschließen hinaufzusteigen. Eintritt ja, los geht’s. Die Mauern des Turmes sind ca. 1 1/2 m dick. Die Treppenstufen sind nur 40cm breit und 400 Stufen sind zu erklimmen. Na danke, bei dieser Affenhitze da hoch und noch Gegenverkehr, da wir ja nur ein Bruchteil der Menge von Touristen sind. Was tut man nicht alles für die Kultur! Schweißperlen rinnen mir wie ein Wasserfall über meine Stirn und den Nacken herunter und quälen sich teilweise ins T-Shirt, aber wir schaffen`s. Oben angekommen ausschnaufen... und Luft holen. Und dann der Blick. Wir sind überwältigt von der Aussicht in die Toskana und über die Stadt. Zwischen rotbräunlichen Häusern und Dächern stechen gut sichtbar der weiße Dom, etliche Kirchen und Paläste hervor und faszinieren den Betrachter. Diesmal haben wir unseren Foto dabei und ich fotografiere ein wenig und dann geht es wieder abwärts. Unsere Fahrräder haben wir bei einem Andenkenladen angeschlossen. Das interessiert normalerweise keinen Menschen, aber ich sag es halt, da es fast unmöglich ist, selbst schiebend durch die Menschenmassen zu kommen. Also, wir bummeln mit den Menschen durch die Straße und Gassen. Wir können uns gar nicht satt sehen an Palästen, Hausfassaden, Kirchen und dergleichen. Drei Straßen hinter dem „Platz der Plätze“ erblicken wir eine der schönsten Kathedralen Italiens, den Dom von Siena. Einfach grandios. Die ganze Fassade ist mit weißem Marmor gebaut mit einigen Einfügungen im Rot von Siena und Grün von Prado. Das Innere ist ganz in weißem Marmor mit schwarzen Marmorbanden gehalten, was einen mystischen Eindruck erwecken läßt, wenigstens bei mir. Verstärkt wird das Ganze noch durch die gregorianischen Gesänge, die aus den Lautsprechern erklingen. Fast an jedem Pfeiler hängt einer, und es gibt viele Pfeiler. Der Fußboden besteht aus 56 Abvierungen, Gravierungen in Marmor und Einlegearbeiten in verschiedenen Farben. Ich kann es nur sehr unvollständig beschreiben, man muß es einfach selbst gesehen haben. Die gewaltige Mystik verliert sich beim Heraustreten aus dem Dom durch die riesigen Portale. Warum? Die Gegenwart hat uns wieder, Menschen über Menschen! Es ist ca. 15.00 Uhr und wir radeln in Richtung Campingplatz. Die Hitze schafft uns. Angekommen, vergnügen wir uns ca. 2 Stunden im Swimmingpool. Herrlich! Unsere Körper wollen noch faulenzen. Eigentlich wollten wir ausnahmsweise mal zum Essen gehen, aber so langsam bekommen wir richtigen Heißhunger auf selbstgemachte Spaghetti mit Knoblauch. Als wir zum Bus kommen, so gegen 18.00 Uhr sitzen unsere Nachbarn schon vor ihrem Wohnmobil und machen Abendbrot. Beim Essen erzählt mir Inge, daß die beiden Frauen Mutter und Tochter sind, das würde sie aus den Gesichtszügen festgestellt haben. Na, ja, wenn sie meint. „Und der Italiener? “ meine ich. „Keine Ahnung“ entgegnete Inge nachdenklich. Wie der Zufall so spielt, hören wir ein Gespräch der Nachbarn mit anderen Campern mit. Hierbei kristallisiert sich heraus, daß der flotte Italiener in Deutschland, also wahrscheinlich in oder um Köln, lebt und die Tochter in einer Kneipe kennen gelernt hat, was ja auch ganz normal ist, oder? Jetzt spielt er den Fremdenführer für die zwei Mädels, weil er sich ja in Italien auskennt. Wir beschließen, noch einen Verdauungsspaziergang zu machen und laufen los. Durch herrliche Olivenhaine stolpern wir, da diese für uns bedauerlicherweise frisch gepflügt sind. Macht nicht, weiter geht es über Stoppelfelder an Weinbergen vorbei. Ein herrlicher Sonnenuntergang verrät uns, daß bald die Nacht hereinbricht. Gegenüber auf dem Hügel erhellen gelbliche Straßenlaternen das Panorama von Siena. Die Teerstraße endet an einem schmalen Pfad, der immer weiter bergab führt. Richtig gespenstisch !! Links und rechts teilen Bäume und Sträucher den Pfad und wir erreichen ein ausgetrocknetes Bachbett. Mir ist etwas unheimlich zumute, ich lasse es mir aber nicht anmerken. Man weiß ja nie, in einem fremden Land und so, gell! Ich verdränge solche Gedanken und wir klettern eine Böschung wieder hoch. Unsere Augen sehen einen großen Parkplatz und einen riesigen Supermarkt, aber keine Beleuchtung. Wir laufen die Straße am Parkplatz entlang. Plötzlich zwei Scheinwerfer, uns kommt ein Auto entgegen und weit und breit nichts. Auf kurze Distanz erkenne ich, es ist die Polizei. Wir natürlich keinen Ausweis dabei, fällt mir natürlich gleich ein, doch die fahren langsam weiter. Wir biegen um den Supermarktblock und zucken kurz zusammen. Da stehen wir mitten auf dem Autostrich der Stadt. Prost Mahlzeit, nein danke, nichts wie weg. Jetzt ist es nicht mehr weit bis in die Innenstadt, vielleicht 10 bis 15 Minuten. Die Altstadt sieht jetzt irgendwie romantischer aus als am Tag, durch das gelbliche Licht. Der ganze Piazza del Campo ist voller Menschen und trotzdem eine Super Stimmung. Wir genießen diesen Anblick und bestellen uns einen Wein und ein Weißbier. So gegen 22.00 Uhr machen wir uns auf den Heimweg, aber nicht die Abkürzung über den Autostrich, das dauert halt 10 Minuten länger und zieht sich ganz schön bergauf. Das war ein anstrengender Tag!
Die Weiterfahrt am nächsten
Tag, Mittwoch den 19. Juli, beginnt so gegen 10.00 Uhr, wir haben ja Zeit. Auf
der Bundesstraße 2 weiter nach Poggibonsi, dann links nach San
Gimignano, dem Manhatten der Toskana. Das alte Städtchen, auf einem
Berg gelegen und von Olivenhainen umgeben, hatte, wie Siena im 13.
Jahrhundert seine Blütezeit. „Manhatten“ deshalb , da die wohlhabenden Familien
zu seiner Zeit sog. Geschlechtertürme gebaut haben. Je wohlhabender die
Familien waren, desto höher wurden die Türme gebaut. Typisches Imponiergehabe!
Heute stehen ganz oder teilweise nur noch 14 dieser Türme von ursprünglich 72
Stück. Die ganze Stadt ist sehr schön erhalten und wir spazieren, wieder bei
sengender Hitze, durch die engen Gassen, immer an den Mauern entlang, die doch
ein wenig Schatten spenden. An Kupferschmieden vorbei, eine Keramikgalerie
schauen wir uns auch an, liebevoller Blumenschmuck überall, schöne Geschäfte,
bewachsene Bürgerhäuser, alles super erhalten. Nach zwei Stunden reicht es uns,
und wir fahren nach einer kurzen Brotzeit weiter. Wir fahren weiter nach Empoli,
das ist schon Chianti-Gegend. Ihr wißt schon! Wein! Von hier aus sind es
noch ca. 30 km nach Florenz. „Möchtest Du da hin, Inge“ frage ich sie
und Inge sagt: “Nä, ich bin so vollgepumpt mit Kultur, ich kann nichts mehr
aufnehmen“. Also Kaffeepause, wir überlegen, wo soll jetzt hingehen? Wir wollen
in die Alpen, da müssen wir wieder am Gardasee vorbei, wo ein schöner
Olivenhain zum Campen war.
Durch Vinci, bekannt
durch Leonardo da Vinci (Maler, Bildhauer, Schriftsteller,
Wissenschaftler und Architekt) weiter nach Pistoia. Jetzt durchkurven
wir wieder den Apeninn. In Cutigliano stoßen wir wieder auf die Brennero
Straße Nr. 12, die wir ja anfangs auch gefahren sind. Über Abetone,
dem Wintersportort, dann Pavullo fahren wir weiter nördlich. Von Modena
bis Verona durchqueren wir die riesige und etwas langweilige Poebene.
Nach einer langen, strapaziösen Fahrt kommen wir am Gardasee, in Malcesine
am besagten Olivenhain an. Es ist alles so friedlich und ruhig, es ist ja schon
21.00 Uhr . Den Grill angeschürt, den Wein entkorkt und dann los, Genießen!
Was? Na einfach alles! So gegen 24.00 Uhr lassen wir den Himmel und die Sterne
allein und verziehen uns in unseren Bus. Donnerstagmorgen, wir kommen gar nicht
so richtig in die Gänge (auch wieder preußisch) . Ob das am Wein lag? Ich denk
nicht weiter drüber nach und dann das gewohnte Spiel. Nach dem Kaffeetrinken
steht fest, wir fahren an den Weißkogel, Das ist die italienische Seite
der Ötztaler Alpen. Von Malcesine bis Riva den Gardasee
entlang, weiter bis Dro dann Sarche. Jetzt links ab die
Hauptstraße 237 in die Berge der Brenta-Gruppe bis Tione di Trento.
Nordwärts die 239 weiter nach Madonna die Campiglio bis Dimaro.
Die 42 weiter bis Fondo, dann die 238 wieder rauf auf die Berge übers Gampenjoch
1548 m ü.NN. bis Meran. Alles ist hier sehr schön aber kurvenreich.
In dem großen Talkessel von Meran steht die von uns unerträglich Hitze.
38 Grad im Schatten lese ich auf dem Thermometer im Auto, bei voll geöffneten
Fenstern. Von hier aus fahren wir weiter die B 38 Richtung Reschenpaß,
ins schöne Schnalstal. Nach Naturns geht es rechts den Berg
hinauf. Eine schmale Straße, aber gut ausgebaut. Wir kraxeln mit unserem Bus
teils im 1. Gang hoch, viel Zeit zum Gucken! Die Straße ist manchmal aus dem
Feld herausgebrochen worden, dann geht es mal weiter in einem Bachlauf und
immer bergauf. Das zieht sich so 40 km hin. Bei Vernagt! (schöner
Ortsname, wirklich) erblickt unser Auge einen riesigen Berg-Stausee. Die letzte
Ortschaft ist Kurzras auf 2004 m.

Ich staune immer wieder,
wie schön hier alle ist. Ich meine nicht die Alpinhotels, sondern die ganze
Natur, die Almen, die Berge und Felsen. Auf einen Parkplatz, einen Campingplatz
gibt es im Schnalstal nicht, werden wir übernachten, aber jetzt ist
Essen angesagt. 50 m weiter von uns stehen tschechische Autos, Franzosen
mit Snowboards auf den Autodächern. Außerdem stehen weiter weg von uns ein paar
Wohnmobile rum. Morgen wollen wir mit der Seilbahn zum Gletscher, 3.251 m. Für
Inge ist der Temperatursturz ein wenig krass. Von mittags 40 Grad zu 6 Grad am
Abend. Selbst ich ziehe mir einen Pullover über. Inge schreibt die ersten
Postkarten mit Urlaubsgrüßen, die wir schon in Pisa gekauft hatten.
Westlich am Weißkogel geht jetzt die Sonne unter. Die goldgelben
Strahlen scheinen einer Lichterkette gleich die Konturen der Berge zu
modellieren, was einen imposanten Eindruck erzeugt in dem von dem Bimmeln der
Kuhglocken erfüllten Tal. Wir unterhalten uns noch ein wenig im Schein
der Petroleumlampe und besprechen die weiteren Urlaubstage. Ungefähr !!!

Freitag, den 21. Juli, aber der 13.Urlaubstag. Glück oder Pech? Glück!! Eine Eselin mit ihrem Fohlen leert die Kochtöpfe der Franzosen aus und nicht unsere draußen stehenden Lebensmittel. Alle lachen, nur die Eselin nicht, die verzieht keine Mine. Die beiden laufen gemächlich weiter, bleiben ungefähr 1 Meter von uns stehen und schauen uns in die Augen. Ich frage: „Wollt ihr mit uns frühstücken“, aber keine Antwort . Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, die Eselin wahrscheinlich auch nicht und trottet gemächlich mit ihrem Fohlen weiter. Wir machen uns zurecht für den Höhenspaziergang, packen Brotzeit ein und los geht es zur Seilbahn. Hier stehen schon viele Leute an, als wäre es im tiefsten Winter, mit Skiern, Snowboard und entsprechendem Outfit. Dabei scheint die Sonne, die Wiesen sind herrlich grün, die Blumen blühen und vieles mehr. Jeder hat Skischuhe an Ski oder Snowboards dabei, ganz schön verrückt. Was soll’s , da muß man durch! Bis auf die Bergstation ist ein Höhenunterschied von 1250 m zu überwinden, der gewaltige DM 28,-- pro Person kostet. Bis ganz rauf ist das Seil der Bahn nur durch einen Masten arretiert. Eine schöne Fahrt nach oben. Aussteigen, den Skischuhen hinterher und Großes Staunen! Super dieser Panoramablick über die Schneehänge und Gletscher bis an den Horizont. Das Laufen im Schnee sind wir zu dieser Jahreszeit nicht gewohnt, also aufgepaßt. Von uns aus gesehen rechts unten lehren Skilehrer 10 bis 12-jährigen Kindern Slalom und Abfahrtstechniken. Weiter draußen sehen wir Langläufer, die eine abgesteckte Loipe mehrmals durchlaufen. Ohne Sonnenbrille ist man hier verloren. Denk nur an Ötzi, den sie hier in der Nähe gefunden haben. Er hatte alles dabei, Pfeil und Bogen, Essen, Schuhe, sogar eine Mütze, aber keine Sonnenbrille, das war sein Fehler! Warum! Ganz klar, er wurde schneeblind, verirrte sich und deswegen fand man ihn nicht hier heroben, sondern ganz woanders. Gut, Blödsinn muß auch mal sein! Wir stapfen durch den Schnee, links und rechts huschen die Skihasen (männlich und weiblich) vorbei. Plötzlich rutsche ich aus, kann mich aber gerade noch abfangen, aber mein rechter Arm ist tropfnaß, da ich mich ins Schmelzwasser balanciert habe. Vor uns steh ein Engländer, warum, weil er englisch spricht natürlich! Ich frage ihn freundliche: „Can you make a Bild von uns two in the snow.“ Er nickt und sagt:“ Das kann ich klar machen.“ Potzblitz, doch kein Engländer! Egal, Bild ist Bild, oder? Knips, die Sache war gelaufen. Der geneigte Leser kann sich das Ergebnis ja später anschauen. Wir stapfen weiter und plötzlich ein Grollen. Ich denk an Louis Trenker und den Film „Der Berg ruft“ und will schon zurückrufen und da kommt er schon, der Berg. Zwar nicht ganz, aber immerhin in einer Größe, na ja ich will jetzt keine Automarke nennen., Auf jeden Fall fallen die Steinbrocken genau auf die Stelle, wo wir kurz vorher fotografiert wurden, Schwein gehabt, würde ich sagen! Ich hole tief Luft, da die Angelegenheit mir ganz schön den Atem geraubt hat. Trotz des Zwischenfalls kommen wir voll und ganz auf unsere Kosten. So gegen 14.00 Uhr geht es mit der Seilbahn wieder abwärts nach Kurzras. Am Bus angekommen lassen wir noch einmal unsere Augen schweifen und dann geht’s los Richtung Deutschland. Inge meint: “Burghausen, zur längsten Burg Europas“. Sehr schön, auch diese Gegend. Also nichts wie hin, war ja so ausgemacht! Langsam aber stetig abwärts ziehen wir uns nochmals das Schnalstal rein , richtig urig. Auf der B38 nach Naturns. Durch Meran zügig, trotz hohem Verkehrsaufkommen bis Bozen. Mittlerweile wieder auf der Brenner Straße bis Brixen. Hier verfahren wir uns, was nicht erwähnenswert wäre, da es uns nur eine halbe Stunde Zeit und nun ja etwas Diesel kostet. An Neustift vorbei auf der Bundesstraße 49 nach Bruneck bis Toblach. Auf unserer alten Karte ist hier ein See mit Campingplatz eingezeichnet. Der See ist zwar da, aber der Campingplatz fehlt! Was jetzt, wir wollen auf jeden Fall auf einen Campingplatz, Duschen ist angesagt. Inge und ich sind durchgeschwitzt von der Hitze. Zurück nach Toblach und weiter Richtung Lienz. Bei Innichen entdecken wir ein Schild „Campen“. Nichts wie hin. Wir haben keine Lust mehr, weiter zu fahren. Man kommt sich hier auf der B 49 vor wie auf einer Völkerwanderung der Neuzeit, wegen der vielen Autos. Das meine ich nicht so, wie es hier geschrieben steht, aber die B 49 ist halt die einzige Verbindungsstraße zwischen Lienz und Brixen, sonst gibt es nur Berge. Oh je, der Campingplatz ist randvoll. 2 Plätze sind noch frei, spricht die Dame an der Rezeption. Egal, wir bleiben, komme was wolle. Und es kommt! Kaum haben wir den Tisch und die Stühle draußen aufgestellt, fängt es an zu prasseln, Donner grollt, Blitze zucken massenweise durch das Tal. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei. Inge hat sich inzwischen die schmutzige Wäsche zusammengesucht und geht zum Waschen. Ich überlege mir neue Salatkreationen zu den ganz normalen Bratwürsten, die wir im Supermarkt gekauft haben. Der abend verlief eigentlich in seinen gewohnten Bahnen. Halt, was erwähnenswert ist, sind die Wasch- und Duschräume auf diesem Campingplatz, da könnte sich manches Hotel eine Scheibe davon abschneiden! Ein großes Lob den Betreibern. Am nächsten Morgen fahren wir die B 100 Richtung Lienz. Die Sonne schickt uns ihre Strahlen über den Kreuzkogel entgegen. AH --- diese Berge, das Grün, es fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Nach Lienz fahren wir das Möll-Tal hinauf, die B 107. Die Hochalpenstraße zieht sich hinauf bis auf den Groß-Glockner, Nach Heiligenblut beginnen die Serpentinen. An einer Mautstelle nimmt uns ein Österreicher die letzten DM 50,00 ab. Wir haben ja noch Kreditkarten, nur nebenbei bemerkt. Aber die brauchen wir jetzt nicht, nur den ersten und den zweiten Gang unseres Buses! Der hält sich tapfer, obwohl er etwas heißer wird. Was wir nicht ändern können und uns auch nicht darüber aufregen ist, daß uns spinnerte Radfahrer überholen. Wahrscheinlich ist das ein besonderer Kick, wie andere Bungee springen oder Autorennen fahren. Man kann fast nebenher laufen, so langsam spurten wir dem Paß entgegen, aber wir sitzen und genießen. Noch ein Wort zu unserem Bus. Ein dickes Lob dem „Guten“, er hat schon fast 3000 km an einem Stück mit uns durchgemacht, was zwar angenehm für uns, aber höchst strapaziös für ihn war. Die Schneefelder kommen immer näher und es ist merklich kühler. Oben am Paß angekommen haben wir eine überwältigende Aussicht. Wir fahren durch einen Tunnel und dann geht es abwärts. Gegenüber an den Bergen drängen sich riesige Gletscher zu Tale. Etliche Leute stehen da und beobachten mit Ferngläsern, ob nicht ein Stück abbricht und ins Tal donnert. Nichts war’s, alles ruhig! In einem niedrigeren Gang, daß der Motor mitbremst, geht es jetzt weiter abwärts. Man könnte denken, hier wird die „Tour de France „ ausgetragen. Ein Radfahrer nach dem anderen brettert an uns vorbei ins Tal. Manche schimpfen sogar, daß sie uns nicht überholen können wegen des Gegenverkehrs, richtige Spinner. Na ja, was soll’s - jedem das seine! Die ganzen Täler und Berge hier sind schön anzuschauen, eins schöner wie das andere, na ja, das Wetter ist ja auch bilderbuchhaft. Wir schauen zur Edelsteinspitze hoch, fahren durch am Fusch, Zell am See und dann immer der Salzach entlang. Am Steinernen Meer, das ist da wo der Watzmann ruft und graue Wolken an sich vorbeiziehen läßt, bis zum Predigtstuhl bei Bad Reichenhall - eine wunderschöne Alpenlandschaft! Wir fahren an Salzburg vorbei auf der B 20 nach Freilassing, Tittmoning und dann endlich Burghausen.
Die ganze Fahrt von den Dolomiten bis nach Burghausen weiter diese Hitze! Wir stellen den Bus auf einen Parkplatz vor den Stadtmauern. Die Luft steht - tja, wir wollen es ja nicht anders. Schweren Schrittes und durchgeschwitzt laufen wir Richtung Altstadt. Von hier herunten sieht man die Burg auf dem Bergkamm sehr schön. Sie ist sorgfältig restauriert und in den alten Gemäuern ist viel Leben eingekehrt, da der äußere Bereich teils mit umgebauten Eigentumswohunungen bestückt ist. Der Marktplatz, den wir jetzt erreichen, strahlt durch seine Größe und z.T. auch, weil hier die Autos verbannt sind, eine gewisse Ruhe aus. Die Bürgerhäuser links und rechts des voll gepflasterten Marktplatzes sind südländisch rosa, gelb und hellblau verputzt und mit viel Zinnen und Erker, jedenfalls nach vorne heraus, versehen. Eine Gasthäuser haben unter schattigen Bäumen Tische und Stühle draußen. Wir setzen uns, lassen uns ein Weißbier kredenzen und machen Prost! Hui, das zischt! Die Halbe war fast auf einen Zug weg bei mir. Wir fragen den Wirt beiläufig nach dem auf unserer Karte eingezeichneten Campingplatz vor Ort. Der spricht, da hätten wir Pech , den gibt es schon seit 2 Jahren nicht mehr. Jo mei, schöne Sch...., denke ich und blicke Inge an, die schaut genauso entgeistert zu mir zurück und wir überlegen jetzt gemeinsam, ob wir uns nächstens irgendwo hinstellen oder weiterfahren sollen. Außer der Salzach und ihr Ufer ist diese Gegend ungefähr so wie bei uns im Maintal, von den Haßbergen bis zum Steigerwald. Also, auf zu den Waldlern in den Bayerischen Wald. Ein paar Tage Wandern und den Urlaub langsam ausklingen lassen. Also bezahlen wir, laufen ziemlich geschafft zum Bus und los geht die Fahrt in den Bayerischen Wald. Wir sind gefahren und nicht geflogen gell, weil ich jetzt mal schreibe über ( ist fränkischer Sprachgebrauch) Eggenfelden nach Landau die B 20 bis Deggendorf. Hier fahren wir das erste Mal auf einer Autobahn, seit fast 3000 km, ziemlich langweilig , die 20 Kilometer. Ab Deggendorf geht’s weiter die B 11, sozusagen in den Wald. Inge sagt: „Hier kann es sein, daß wir viele Schweinfurter treffen“. Hier fahren wir so auf 500 bis 1100 m ü.d.M. nur durch Wald. Von Regen nach Bodenmais bis Drachselried. Hinter Büschen und großen Bäumen liegt idyllisch der Campingplatz. Uns begrüßt ein schöner, langhaariger Mischlingshund mit total treuen Augen , der aber leider an einer 3m langen Kette angebunden ist. Aber er freut sich. Der gesamte Platz ist nicht gerade überwältigend, aber für 2 bis 3 Tage tut er es. Das ist so eine Redensart. Jetzt kommt die Besitzerin auf uns zu, ich frage sie, ob wir 2-3 Tage bleiben können und sie stimmt zu. Links am Weg, ca. 100 m vom Eingang wird uns ein Platz zugewiesen. Den Satz kennt Ihr schon: Hubdach auf.....! Ich setze mich auf einen Klappstuhl vor dem Bus und zünde mir eine Zigarette an. Da kommt jemand mit einem Klapprad, das er schiebt, auf mich zugelaufen. Ich denke mir, komisch, daß er nicht fährt, trotz Behinderung. So wie ich das mitbekomme, zieht er irgendwie das linke Bein nach oder so. Unrasiert, mit schrägem Blick bleibt er vor mir stehen. „Hallo“, sagt er, „Seid’s Ihr jetzt erst kumma? Bleibt`s Ihr länger bei uns? Ich bin der Besitzer“ . Oje, oje, ist das ein Haflinger, ein richtiger Waldler eben. Inge schaut ihn auch so von unten an und rümpft innerlich die Nase, der Alkoholgeruch war unverkennbar!
Noch ein Wort zu dem Satz mit der Zigarette! In der heutigen Zeit, also noch kein Aufschwung Ost, immer noch Krieg in Bosnien und Serbien, der Vietnamkrieg ist vorbei (schon länger) die Punks veranstalten Chaostage in verschiedenen Städten, die Steuern in diesem unserem Lande werden immer höher, sonst könnten ja unsere Politiker nicht leben, wird sogar in asbestverseuchten öffentlichen Gebäuden das Rauchen verboten. Die Amis sind schon so weit, daß nur noch im Freien und Zuhause geraucht werden darf . Hoffentlich kommt es bei uns nicht soweit, daß uns der Nachbar anzeigt, wenn wir auf unserem Balkon rauchen, was natürlich den Vorteil hat, daß das Passivrauchrisiko für Besucher in unserer Wohnung erheblich geringer geworden ist. Nur habe ich mir schon manchmal überlegt, ob Nachbars Katze dadurch, daß wir jetzt nur auf der Terrasse rauchen, nur zwei Junge bekommen hat. Die Norm bei Katzengeburten ist doch fünf oder sechs kleine Katzenkinder, oder? Also, Ihr könnt das jetzt ausdiskutieren, ich wollte nur einen Anstoß dazu geben oder auch nicht, das liegt bei Euch, ich rauche weiter (zuhause allerdings nur auf der Terrasse).
Nun zum restlichen Abend.
Wir haben uns heute fest vorgenommen, wieder zuhause in Deutschland, ein
Schnitzel zu essen. Die Wirtschaft ist im Dorf, Eile ist geboten, da es nur bis
20.00 Uhr warmes Essen gibt. Im Wirtshaus kommt man sich fast wie zuhause vor.
Fast an jedem Tisch hört man den Schweinfurter Slang. Die Luftfeuchtigkeit
beträgt auch ohne Bier auf dem Tisch garantiert 85% , es ist sehr schwül. Die
tschechische Bedienung verstehen wir besser als die Einheimischen, deren
Mundart eher einer Halskrankheit denn einem Dialekt gleicht. Die Bestellung ist
gleich getätigt, zwei Schnitzel und zwei Weißbier, bitte! Schweiß vor uns
hintropfend unterhalten wir uns über dies und das bis das Essen kommt. Der Duft
des panierten Schnitzel, einfach himmlisch, sag ich Euch. Noch ein
Verdauungsschnaps und los geht’s, zurück auf den Platz. Wind kommt auf und nach
Sichtung des Himmels wird es einem Höllenangst. Meine Güte, wenn das losgeht,
dann kracht`s aber. Zwei Stunden beobachten wir vor unserem Bus die
Wetterleuchten, die sich über den ganzen Himmel verteilen. Es ist richtig
dunkel geworden, durch die vielen Regenwolken. So gegen 22.20 Uhr fängt es dann
richtig an. Erst nur ein paar große Tropfen, dann aber wolkenbruchartig fällt
das Wasser vom Himmel. Es kracht und scheppert und der ganze Bus wackelt von
dem orkanartigen Wind. Wir verkriechen uns in unseren Bus und hoffen auf
besseres Wetter morgen.

Am Sonntagmorgen, Bustür auf und schon steh ich im Nebel. Alles ist naß, aufgeweicht und die Wege sind total matschig. Wir packen zusammen und verabschieden uns. Inge möchte wenigstens einmal auf den Arber. Die Fahrt dahin gestaltete sich aber ziemlich schwierig, da der Nebel uns nur unvollständig eine Ahnung von der mit Sicherheit vorhandenen Landschaft geben konnte. Nebel, nichts als Nebel! Mühsam, aber wir schaffen`s. Wir laufen um den Arbersee. Das Wetter ist so richtig naßkalt, sehr unangenehm. Unsere Stimmung sinkt ebenfalls und wenn man die Touristen, die massenweise auch bei diesem Wetter auf den Arber gekarrt werden, anschaut geht es einem auch nicht besser, trübselig! So ganz unterkriegen lassen wir uns nicht und bei einem Besuch in einem nahegelegen Wildpark informieren wir uns über die Flora und Fauna des Naturparks Bayerischer Wald. Auch dem dort vorhandenen Wolfsrudel statten wir einen Besuch ab. Aber es hilft nichts, da die Wetteraussichten doch recht trübe erscheinen, beschließen wir, gen Heimat zu fahren. Bei so einem Wetter fühlt man sich doch im Wohnzimmer - zumal dies so nah liegt - am wohlsten!
Also nach Regen, weiter Richtung Deggendorf. Hier auf die Autobahn und schnurstracks Richtung Nord-Ost , die A3 Regensburg, Nürnberg, Fürth, Erlangen A 73 weiter Bamberg durch Schweinfurt wäre die einfachste Fahrt. Aber wir fahren die A 3 weiter Richtung Würzburg bis Abfahrt Wiesentheid. Hier weiter die Bundesstraße 286 nach Gerolzhofen und jetzt Landstraße über (vormalig erklärt) Mönchstockheim nach Hundelshausen. Wißt Ihr warum? Nein ....aber verratet es nicht weiter, hier gibt es eine Bauernwirtschaft, die immer gerammelt voll ist, weil hier alles so billig ist. Wie erwartet, erwischen wir gerade noch zwei Plätze. Viel Auswahl ist ja nicht auf der Speisekarte, aber riechen tut`s schon mal sehr gut .Wir bestellen uns zwei Schnitzel mit Salat und Brot, das kostet zusammen 7,00 DM , der Hausschoppen kostet 3,-- DM, da kann man nicht meckern, oder! Mit einem älteren Ehepaar kommen wir ins Gespräch und schwärmen ihnen von der Toskana vor. Die beiden erzählen genau wie wir viel zu viel und so vergeht die Zeit. Nach zwei Stunden und zwei Schoppen wird gelöhnt und ab geht es nach Hause.
Jetzt, nachdem wir die vergangenen 15 Urlaubstage 286 Liter Diesel, 1 L Öl für 3.654 km verfahren haben, stelle ich unseren Bus auf dem Parkdeck ab und streichle dem „Roten“ lobend sein Blechkleid. „Gut gemacht Junge“, sage ich noch. Wir sind ganz happy, wieder zu Hause zu sein, denn ab Erlangen hatten wir wieder das schönste Wetter. Wir schließen die Wohnungstüre auf. Uns kommt aus der nicht bewohnten Wohnung ein guter, klarer Duft entgegen, herrlich. Kühlmanns, die besten Nachbarn der Welt, haben unsere Wohnung mit unseren vielen Grünpflanzen und den kleinen Garten gehegt und gepflegt und es ist ein sehr angenehmes Gefühl, wieder daheim zu sein. Die Nachbarn sitzen auch gerade auf ihrer Terrasse und begrüßen uns herzlich. Es gibt viel zu erzählen. Sie laden uns auf ein Glas Wein ein, was dann doch zwei kleine Karaffen gewesen sein dürften , denn es ist mittlerweile 22.30 Uhr. Wir machen erst einmal Schluß für heute und freuen uns auf den nächsten Tag, denn wir haben ja noch Urlaub. Ich könnte diese Woche Urlaub auch noch schildern, muß aber nicht sein, denn - es war wie im richtigen Leben. Wäsche waschen, Fahrrad fahren, Fernseh gucken, aufräumen und, und, und,....... halt ohne Hubdach..
So, wenn ich jetzt nicht aufhöre zu schreiben wird`s ein Tagebuch, was ich aber nicht will, da es eine Reise- Be- und Erschreibung und eine Erzählung oder überlegt selbst,was es ist. Also, seid nicht traurig, sondern freut Euch auf Euren nächsten Urlaub, so wie
Inge und Klaus
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